Es ist morgens um vier im März, die Gänsehaut unter meiner Jogginghose rast mir die Beine rauf, meine nackten Füße stecken in roten Crocks und ich stehe da in meinem Rosa-Herzchen-Plüschbademantel und bete geradezu darum, dass meine Nachbarn mich so nicht sehen. „Los Abby, mach Pipi“, fordere ich unseren neuesten Familienzuwachs auf. Aber sie möchte lieber spielen und legt sich hin, um an ihrem Stöckchen zu knabbern. Ich bin müde und laufe ein Stück weiter, damit sie sich bewegt – und endlich geht geht sie in die Hocke und macht endlich das, was man ja nun als Welpe erst lernen muss. Ich bin hellwach, durchgefroren und trotzdem irgendwie hundemüde. Es ist ja nicht die erste Nacht ... Heute, ein paar zerstörte Schuhe und demolierte Handfeger, löchrige Socken und zig Pfützen später ist die junge Dame schon fast stubenrein, aber an dem Morgen dachte ich noch „Warum tust Du dir das immer wieder an?“. Man könnte ja mal an sich selber denken – doch dieses kleine positive Bündel, die mit ihrer Schwester Mayla – unser aller Leben hier in der Redaktion auf den Kopf gestellt hat, verzaubert nicht nur uns alle, sondern auch unseren großen Schäferhund-Bulldogge-Boxer-Mix „Buddy“.

Ich hatte das Glück, mit Hunden groß zu werden, und habe es schon immer sehr genossen, mit ihnen die Welt zu erkunden. Die treuen Augen und die stimmungsvolle Nähe waren für mich schon immer etwas, das mich vollständig machte. Auch meine Tochter hatte so ein Exemplar in ihrer Kindheit. Eine Seele von Schäferhund, auf dem sie mit ihren Freundinnen rumlag und der mit Meerschweinchen schmuste. Ok, als er ins Flegelalter kam, zerstörte er innerhalb von knapp zweieinhalb Stunden eine ganze Couch in klitzekleine Stücke – aber an dem Tag kam die Beschäftigung einfach zu kurz und ich war einfach selber schuld. Sein Lieblingsspiel hieß „such Nina“ – wir spielten es überall, im Wald, auf einem Autohandel (nach Feierabend) und er legte sich vor die Wohnungstür, wenn er tief schlafen wollte, denn so konnte keiner ohne ihn gehen. Als er von uns ging, fehlte er uns wirklich so sehr, dass es wehtat ... wir hielten es nicht allzu lange aus, bis wir uns ein Labrador-Baby holten, es sollte nichts an unseren bisherigen Seelenhund erinnern und der Plan ging auf. Dieses tapsige apportierfreudige Wesen brachte uns wieder zum Lachen, Kuscheln und er hat sogar bei einem Umzug den Inhalt ganzer Kartons hin- und hergeschleppt. „Bring Mama – bring Nina“, und er schleppte und rackerte unermüdlich und mit viel Freude. Nur wenige Jahre später kam Sam, ein Australian Shepherd dazu – ausgeprägt klug, aber leider aus chaotischen Verhältnissen. Er wurde sieben Monate lang von einer überforderten Familie quasi nur in einer Hundebox gehalten und geschlagen. Wir brauchten knapp sieben weitere Monate, um ihn stubenrein zu bekommen, nicht mehr in Gesichter zu beißen und ihn zu beschäftigen. Aber auch das haben wir geschafft – außer wenn er sich erschreckte, dann passierte es immer wieder, dass er mal Pipi machte. Später dann als meine Tochter ihr eigenes Leben gründete, kam Jack-Russel-Mops-Mix Lucy auch noch dazu: Dieses kleine Wesen entpuppte sich als größenwahnsinniges Tierchen, das Sam und Balou vor anderen schützen musste. Ein tolles Rudel und wir machten Fahrradausflüge mit allen dreien am Rhein. Wir waren so vollständig, denn sie hatten auch sich und waren dadurch nicht immer nur auf uns bezogen.

Doch auch Sam ging mit elf Jahren von uns und er fehlte einfach zu sehr. So schenkte meine Tochter uns Buddy, ein absoluter Chaot, der unser Leben tatsächlich auf den Kopf gestellt hat. Er war von Anfang an so anders und hat uns so oft an die Grenzen allen Wissens gestellt, weil er falsch sozialisiert wurde. Ein niedliches Hundebaby nur in wild? – Ja, das gibt es. Neben allen zerstörten Schuhen, Kartons und Löchern in den Jacken gibt es einfach keinen Maßstab und bei jedem Hund fängt man wieder von vorn an. Balou ging nur ein halbes Jahr nach Sam, doch konnte er Buddy noch als mustergültiger Super-Opa Vorbild sein und er mochte das „Baby“, das ihm mit knapp 14 Jahren noch mal Energie gab. Schlussendlich haben wir seit März dieses Jahres unser Rudel wieder vervollständigt ...

duisCover glueck pfoten duisburg stadtmagazin

 

Den ganzen Bericht lest Ihr in der aktuellen Ausgabe Juni/Juli 2019.